Einstiegshürde Lohnzusatzkosten
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Einleitung – Hohe Abgaben kosten Jobs
In Deutschland ist die Steuer- und Abgabenlast auf den Faktor Arbeit besonders hoch. In Europa müssen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes nur in Belgien, Schweden und Dänemark mehr für einen Arbeitgeber in der Industrie zahlen. Mit einem Stundensatz von 33 Euro liegt Deutschland damit auf einem 4. Platz bei den Arbeitskosten im verarbeitenden Gewerbe, das in besonderer Weise dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt ist. Die Arbeitskosten setzen sich aus dem Brutto, dem sogenannten Direktentgelt, und den Lohnzusatzkosten zusammen. Die Tabelle zeigt, wie sich die Arbeitskosten zusammensetzen.

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- Hohe Lohnzusatzkosten erschweren den Einstieg in den Arbeitsmarkt.
- Hürde mit der Aufschrift "Lohnzusatzkosten"
Struktur der Arbeitskosten im Jahr 2006
Produzierendes Gewerbe Deutschlands, Angaben in Prozent des Bruttolohns und -gehalts)

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- Berechnung der Arbeitskosten
- Musterrechnung
Nach jüngsten Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Steuer- und Abgabenlast ist die Abgaben-Belastung vor allem bei Ledigen und Beziehern geringer und mittlerer Einkommen besonders hoch. Der Abgabenanteil an den Arbeitskosten eines alleinstehenden Durchschnittsverdieners belief sich hier laut OECD im Jahr 2007 auf 52,2 Prozent.
Fazit: Die hohen Abgaben machen Arbeit in Deutschland teuer. Verantwortlich dafür sind die hohen Lohnzusatzkosten. Diese sind damit eine Einstiegshürde auf dem Weg in den Arbeitsmarkt. Die Lohnzusatzkosten müssen sinken, damit Deutschland im internationalen Vergleich der Personalkosten punkten kann. Das kann gerade bei einfachen, geringer entlohnten Tätigkeiten einen Beschäftigungsschub auslösen.
Ein solcher Beschäftigungsschub entlastet den Sozialstaat, weil mehr Arbeitnehmer ins System einzahlen und weniger Arbeitslose Leistungen aus dem System abfordern. Damit könnten die Lohnzusatzkosten sinken - wenn zum Beispiel die Beitragssätze zur Arbeitslosenversicherung gesenkt werden könnten. Und da die Lohnzusatzkosten im Wesentlichen von Unternehmen und Arbeitnehmern gemeinsam getragen werden, hätten auch die Arbeitnehmer netto mehr Geld in der Tasche.
Hintergrund – Wirtschaftsflügel der Union fordert weitere Senkungen der Lohnzusatzkosten
Die Arbeitskosten in Deutschland sind 2007 so gering gestiegen wie in keinem anderen EU-Land, was den Beschäftigungsaufbau gefördert hat. Allerdings zählt das Land im europaweiten Vergleich noch immer zur Spitzengruppe. Unionspolitiker fordern daher, die Lohnzusatzkosten weiter zu senken.
In Deutschland sind die Arbeitskosten einem Bericht des "Handelsblattes" zufolge im vergangenen Jahr so gering gestiegen wie in keinem Land der Europäischen Union. Danach kostete die Arbeitsstunde in der Privatwirtschaft im Schnitt 29,10 Euro und damit ein Prozent mehr als 2006. In den anderen EU-Staaten habe der Anstieg zwischen 1,2 Prozent (Malta) und 30,4 Prozent (Rumänien) gelegen. Im laufenden Jahr dürften die Arbeitskosten, so das "Handelsblatt", angesichts zuletzt deutlich höherer Tarifabschlüsse jedoch wieder stärker anziehen.
Bei den absoluten Kosten lag Deutschland laut "Handelsblatt" auf dem siebten Platz und fiel damit im Vergleich zu 2006 um einen Rang zurück. Am teuersten war die Arbeitsstunde in Dänemark, wo Arbeitgeber 35 Euro zahlen müssen. Das niedrigste Niveau hatte Bulgarien mit 2,10 Euro. Im verarbeitenden Gewerbe, das besonders im internationalen Wettbewerb steht, lag Deutschland mit Kosten von 33 Euro je Stunde im EU-Vergleich auf dem vierten Platz hinter Dänemark, Schweden und Belgien. "Auch hier war aber der Anstieg hierzulande mit 1,2 Prozent am geringsten", heißt es in der in Düsseldorf erscheinenden Zeitung.
"In der Industrie sind wir immer noch in der Spitzengruppe, hier war es bitter nötig, dass wir einen moderaten Anstieg der Kosten hatten", sagte Christoph Schröder, Arbeitskosten-Experte beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW), dem "Handelsblatt". Das habe die Chancen der deutschen Unternehmen gestärkt, sich im Wettbewerb zu behaupten. Auch der jüngste Beschäftigungsaufbau sei unter anderem auf die gemäßigten Steigerungen der Lohnkosten zurückzuführen.
Unterdessen forderte der Wirtschaftsflügel der CDU/CSU weitere Reformen. "Der Reformeifer der Bundesregierung darf auch mit Blick auf die Bundestagswahl im nächsten Jahr nicht nachlassen", sagte Michael Fuchs (CDU), Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand, dem "Handelsblatt". Vor allem müsse die Regierung alles dafür tun, die Lohnzusatzkosten weiter zu senken.
Zu den unbedingt notwendigen Reformprojekten für die laufende Legislaturperiode zählt der Wirtschaftsflügel der Union auch die geplante Evaluierung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente. "Der Arbeitsminister muss sich mit der Halbierung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente beeilen", sagte Fuchs. Die für Anfang nächsten Jahres geplante Vereinfachung soll die Arbeitsvermittlung verbessern. Der Wirtschaftsflügel der Union verspricht sich laut "Handelsblatt" durch einen solchen Reformschritt auch finanzielle Spielräume für eine weitere Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags, der derzeit bei 3,2 Prozent liegt.
Expertenmeinung – Der Wissenschaftler Holger Schäfer über die Einstiegshürde "Lohnzusatzkosten"
Lohnzusatzkosten sorgen dafür, dass sich Arbeit weniger lohnt - und zwar sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber. Der Arbeitnehmer erhält netto als verfügbares Einkommen nur etwa die Hälfte von dem, was der Arbeitgeber für seine Arbeit aufwenden muss. Dieser große Keil, der zwischen Arbeitskosten und Nettolohn getrieben wird, führt dazu, dass sich Arbeit in Deutschland sehr stark verteuert. Dadurch wird Arbeit seitens der Arbeitgeber weniger nachgefragt.
Holger Schäfer, Ökonom
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